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Endlich angekommen

Als Ingenieur kann Alberto Caballero Breva international arbeiten. Nur die Sprache war anfangs ein Problem für den 27-Jährigen. 

16. Januar 2014: Seine Freunde in Spanien warten noch auf eine Arbeitsstelle mit Zukunft. Alberto Caballero Breva (27) ist nach dem Studium nach Deutschland gekommen. Er arbeitet bei dem Paderborner Unternehmen dSPACE. Seine Freunde und Familie musste er zurücklassen – für ein neues Leben in Paderborn. Mittlerweile kennt er die Stadt gut und hat Lieblingsorte, wo er Entspannung nach der Arbeit findet.

Von WIEBKE KALLÄNE (Nachrichtenredaktion Oelde, Die Glocke)

Alberto Caballero Breva überlegt, sucht nach dem passenden Wort. Aber nur kurz, dann fällt es ihm ein. „Es ist nicht, wie man in Deutschland sagt, um die Ecke“, formuliert der gebürtige Spanier und lacht über die Redewendung. Damit meint er seinen neuen Arbeitsplatz. Der ist in Paderborn, bei dem Unternehmen dSPACE. Studiert hat der 27-Jährige in Spanien, seiner Heimat. Bis er nach Paderborn kam, um dort als Ingenieur eine feste Arbeitsstelle anzutreten, hat er einen langen Weg zurückgelegt.
Nun steht er in Paderborn an der Paderquelle und blickt über die grüne Parkanlage. Es dämmert bereits, die Sonne geht gerade hinter den Bäumen unter. Der Wind zerrt an seiner Jacke. „Von meiner Wohngemeinschaft schaue ich direkt auf den Dom“, sagt der Spanier und zeigt auf ein Haus am  Quellgebiet. Ihm gefällt die Paderborner Altstadt mit den historischen Gebäuden – nur an das Wetter kann er sich noch nicht richtig gewöhnen. Das ist viel kälter und unbeständiger als in Spanien.
In seinem Heimatland liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50 Prozent. „Meine Freunde nehmen im Sommer Gelegenheitsjobs im Tourismus an“, erzählt er. Sie wohnen meistens noch zu Hause bei ihren Eltern, weil sie kein geregeltes  Einkommen haben. Im Sommer sind sie froh über drei Monate Arbeit, aber im Winter haben sie meistens nichts. Die Zukunft sei für sie ungewiss, sagt Alberto Caballero Breva ernst. Dann ändert sich sein
Gesichtsausdruck: „Wenn sie mich beneiden, sage ich ihnen, dann kommt doch auch nach Deutschland.“
Alberto Caballero Breva geht über den großen Platz am Paderborner Rathaus, an Cafés vorbei. Hier sitzt er gerne mit Freunden, auch wenn am Wochenende schwer ein freier Tisch zu finden ist, weil sich hier viele Studenten ebenfalls treffen. Ab und zu sind auch Spanier dabei. Aber sie bleiben meistens nur für ein paar Monate. Da falle es schwer, Freundschaften zu knüpfen, sagt er.
Hilfe bei seinem Start in Deutschland hat er von Bekannten bekommen, die er während des Studiums in Holland kennengelernt hat. Sie haben ihm auch geholfen, eine Wohnung zu finden. Das Auto lässt der Spanier meistens stehen. Dafür geht er lieber zu Fuß durch die Paderborner Innenstadt zur Arbeit oder Einkaufen. Geschäfte interessieren den Ingenieur eher nicht. „Ich kaufe, was ich brauche“, sagt er und schaut flüchtig auf die Auslagen. Dafür hält er am Dom einen Moment inne. Hier findet er Ruhe: „Ich weiß nicht, warum ich hier entspannen kann. Aber es tut mir gut, hier zu sein, wenn ich Stress hatte.“

Viel Kaffee und viele Kilometer

 Mit der deutschen Sprache klappt es bereits und auch mit den Kollegen: Alberto Caballero Breva (l.) tauscht sich regelmäßig auf dem Gelände des
Paderborner Unternehmens dSPACE aus. Auch beim Stammtisch mit internationalen Mitarbeitern knüpft der gelernte Ingenieur aus Spanien Bekanntschaften.

Die Tür des Doms schwingt hinter ihm wieder zu. Draußen stürmt es noch immer. Alberto Caballero Breva geht in ein Café, um sich aufzuwärmen. Dort bestellt er einen Latte Macchiato – Kaffee trinke er mehrmals am Tag. Die Deutschen würden viel mehr Tee trinken, meint er.
Mit 17 Jahren hat Alberto Caballero Breva seinen Heimatort für sein Ingenieur-Studium verlassen. Für ein Praktikum ging er danach in die Niederlande. „Die Atmosphäre dort war sehr gut. Ich habe gemerkt, dass ich es schaffe, im Ausland zu arbeiten“, erzählt der 27-Jährige. Er habe danach aktiv weiter gesucht, über die Grenzen Spaniens hinweg. Vorgeschlagen wurde ihm von einer spanischen Arbeitsagentur eine Jobmesse in Madrid. Das ist, wie der Ingenieur es typisch deutsch formuliert, von Sevilla nicht gerade um die Ecke. Es sind 530 Kilometer. Die Kosten für die Anreise musste er selbst übernehmen. Trotzdem machte er sich auf den Weg.
Seine Familie vermisse er. Aber heutzutage sei es einfach, den Kontakt zum Beispiel über das Internet zu halten. „Ich glaube, heute rede ich viel mehr mit ihnen, als früher, während meines Studiums. Da gab es noch nicht so viele Möglichkeiten wie das Skypen.“ Er trinkt einen Schluck und schaut auf die Uhr. In einer halben Stunde beginnt sein Deutschkursus gegenüber seiner Firma. Mittlerweile regnet es draußen.
Die größte Schwierigkeit war für Alberto Caballero Breva die Sprache. „Ich konnte kein Wort Deutsch, als ich nach Paderborn kam“, sagt er. Er besucht regelmäßig einen Sprachkursus neben der Arbeit. Aber auch der Kontakt zu Kollegen hilft ihm, die Sprache zu schulen. Bei der Arbeit hat er sich zunächst mit Englisch beholfen. Beim Unternehmen dSPACE programmiert er die Hardware für Maschinen und Technik.

Kampf um die Zukunft

Von seiner Wohnung blickt Alberto Caballero Breva auf die Paderquelle im Zentrum vom Paderborn.

Das Paderborner Unternehmen dSPACE fährt regelmäßig zu Jobmessen ins Ausland, um Fachkräfte anzuwerben. „Die jungen Ingenieure in Spanien kämpfen für ihre Zukunft“, sagt Marketingleiter Bernd Schäfers-Maiwald. Mehrere dSPACE Mitarbeiter fliegen mehrmals im Jahr ins Ausland, um mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen. In Madrid trafen sie auch auf Alberto Caballero Breva. „Wer in Spanien nicht selbst aktiv wird, wartet lange auf einen guten Beruf“, sagt der 27-Jährige.
Auf der Jobmesse hoffen viele junge Spanier auf ein vielversprechendes Angebot. Alberto Caballero Breva erhielt eines von dSPACE und machte sich wieder auf den Weg – diesmal mit dem Flugzeug nach Deutschland, um das Paderborner Unternehmen besser kennenzulernen. Das ist nun mittlerweile fast zwei Jahre her.
Geholfen habe ihm, dass die Einstellung der Deutschen ähnlich sei wie die der Spanier. „Wir denken sehr ähnlich. Darum gab es bisher kaum Schwierigkeiten“, sagt er. Aber man müsse auch offen für das neue Land sein.